Fridays for Future – aber doch nicht in Rostock!

Noch am 9.2. berichtete die Ostsee-Zeitung, „Die weltweite Jugendbewegung „Fridays for Future“ erreicht Rostock“. ABER:

Noch bevor sie damit begonnen haben, die Demo zu bewerben, hätten sich über Whatsapp und Instagram schon rund 300 Teilnehmer dafür anmeldet, berichtet Yasmin. Weil anzunehmen ist, dass daraus bis zum 15. März noch viel mehr werden, muss die Veranstaltung an einem anderen Ort stattfinden als geplant. Ursprünglich wollten die Aktivisten auf dem Neuen Markt protestieren. Wo sie stattdessen mit Plakaten und Durchsagen Alarm machen werden, stehe noch nicht fest (ebenda).

Na klar, viel mehr als rund 300 Demonstranten gehen ja nicht auf den Neuen Markt rauf. Und rechtzeitig einen anderen Demonstrationsort in Rostock anbieten, schaffte die Stadtverwaltung so schnell auch nicht.

Zumindest ist nichts in den Nachrichten zu finden. Das wäre ja auch noch schöner: Mit allen Mitteln versuchen die Befürworter einer große Klärschlamm-Verbrennungsanlage andere Meinungen und Sichtweisen zu unterdrücken und dann kommen die Schüler und Studenten und demonstrieren fürs Klima?! NICHT IN ROSTOCK!!!

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2038

2038 sollen in Deutschland die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Zu spät, sagen vernunftbegabte Menschen.

Jakob van Hoddis wusste es schon 1911:

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Damals als Geburtsstunde des Expressionsmus gefeiert, könnten wir es heute auch als „zweites Gesicht“ des Dichters deuten, dass ihn in den Wahnsinn trieb. Wer vermag solche Vorahnungen schon aushalten?

Heute sind die Ängste nicht geringer. Gleichzeitig bleibt die Ignoranz der Entscheidungsträger unüberbietbar. Der Weltklimarat mahnt in seinem aktuellen Bericht SR 1.5 dringliches Handeln an, aber keiner liest diesen Bericht. Greta Thunberg spricht in ihrer Katowice-Rede Klartext, aber führende Politiker schweigen oder verhöhnen sie sogar.

Gisela Schneeberger (ADAC Motorwelt 2/2019) sagt es ganz profan, aber sehr einleuchtend:

Ich meine, der letzte Sommer hat es gezeigt: Es ist einfach erschreckend! Wir haben alle noch nicht die Fantasie, was passieren könnte, wenn wir mal drei Dürren hintereinander haben und das Wasser knapp wird.

Aber es gibt Hoffnung, die sogar Rostock erreicht:

Für den 15. März ist eine Großdemonstration geplant. Unter dem Aufruf #fridaysforfuturerostock will die hiesige Regionalgruppe Schüler, Studenten und Azubis dazu bewegen, für ein schnelles Ende der Braunkohleverstromung einzutreten.

Und hoffentlich auch dieses grässliche Vorhaben einer Klärschlamm-Verbrennung mitten in Rostock einschließt.

erde-roesten

Weiter so bis 2038 ???

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Verändertes Outfit

Wir haben das Outfit geändert, obwohl uns das vorherige (mit der Sprechblase je Beitrag zur Anzeige vorhandener Kommentare und zum Schreiben eines eigenen Kommentars) gut gefiel. Aber was wir längere Zeit nicht bemerkten: Die sogenannte Menü-Leiste wurde nur bei der Startseite angezeigt, nicht aber für ältere Beiträge. Das macht das Navigieren doch etwas mühsam.

Jetzt fehlt die Sprechblase und man findet die Kommentarfunktion am Ende des Beitrages, dafür bleibt aber bei allen Blogbeiträgen die Menüleiste erhalten. Wir halten das für lesefreundlicher. Und den Blogbeitrag erst volllständig lesen, bevor man kommentiert, kann ja auch nicht verkehrt sein…

Rückäußerungen sind herzlich willkommen!

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

„… müssen wir vielleicht das System selbst verändern“

Lange nicht geblogt.

Es war und ist zu viel zu tun gegen die geplante Klärschlammverbrennung in Rostock. Als wenn es keinen Klimawandel gäbe, keine UN-Klimakonferenz in Kattowice gegeben hätte, wollen Kommunalpolitiker in Mecklenburg-Vorpommern (M-V) im Namen der Daseinsvorsorge (!) eine große Klärschlammverbrennungsanlage beschließen lassen, die Klärschlämme aus halb M-V „verwertet“.

Da ist es allerhöchste Zeit, die Rede der 15jährigen Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz auch hier einzustellen:

„Meine Name ist Greta Thunberg. Ich bin 15 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich spreche für die Organisation Climate Justice Now!

Viele Leute sagen, dass Schweden nur ein kleines Land ist und es keine Rolle spielt, was wir tun. Aber ich habe gelernt, dass man nie zu klein ist, um einen Unterschied zu machen. Und wenn ein paar Kinder Schlagzeilen damit machen können, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann kann man sich vorstellen, was wir alle zusammen tun könnten, wenn wir nur wollten.

Aber um das zu tun, müssen wir klare Worte sprechen, egal wie unbequem das sein mag. Ihr hier sprecht nur von ewigem grünem Wachstum, weil ihr zu viel Angst davor habt, unpopulär zu sein. Ihr sprecht nur darüber, mit den selben schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in die dieses Chaos gebracht haben, selbst wenn es das einzig Vernünftige ist, die Notbremse zu ziehen. Ihr seid nicht reif genug, um es so zu sagen, wie es wirklich ist. Auch noch diese Last bürdet ihr uns Kindern auf.

Aber mir ist es gleich, ob ich populär bin. Ich sorge mich um Klimagerechtigkeit und den lebendigen Planeten. Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass eine sehr kleine Anzahl von Menschen weiterhin enorme Mengen von Geld machen kann. Unser Biosphäre wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie dem meinigen ein Leben in Luxus führen können. Es sind die Leiden der vielen, die für den Luxus der wenigen bezahlen müssen.

Im Jahr 2078 werde ich meinen 75ten Geburtstag feiern. Falls ich Kinder haben sollte, werden sie vielleicht den Tag mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach euch fragen. Vielleicht werden sie fragen, warum Ihr nichts getan habt, als die Zeit zum Handeln noch da war. Ihr sagt, ihr liebt Eure Kinder über alles, und doch stehlt ihr ihre Zukunft vor ihren eigenen Augen.

Solange Ihr euch nicht darauf konzentriert, was zu tun notwendig ist, sondern nur darauf, was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung. Wir können eine Krise nicht lösen ohne sie als Krise zu behandeln. Wir müssen die fossilen Brennstoffe im Boden lassen und wir müssen uns auf Gerechtigkeit konzentrieren. Und wenn Lösungen innerhalb des Systems unmöglich zu finden sind, dann müssen wir vielleicht das System selbst verändern.

Wir sind nicht hergekommen, um die führenden Politiker der Welt anzubetteln, dass sie sich kümmern sollen. Ihr habt uns in der Vergangenheit ignoriert und ihr werdet uns wieder ignorieren. Euch gehen die Entschuldigungen aus, und uns läuft die Zeit davon. Wir sind hergekommen, um euch mitzuteilen, dass der Wandel kommt, ob ihr wollt oder nicht. Die wirklich Macht gehört den Menschen. Danke.“

Man kann sich die Rede auch als Video ansehen und anhören.

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Jetzt überschlagen sie sich – rein verbal

Vor kurzem gab es nur wenige Stimmen zur bedrohlichen Klimaentwicklung. Jetzt hat der UN-Klimarat getagt und einige Medien berichten darüber.

Besonders kurz und bündig erscheint uns der Beitrag in der Jungen Welt:

Um rund ein Grad Celsius hat sich das globale Klima bereits im Vergleich zur vorindustriellen Zeit durch menschliche Aktivitäten erwärmt. Den weiteren Temperaturanstieg künftig auf 1,5 Grad zu beschränken hätte zahlreiche Vorteile gegenüber dem bisher definierten Ziel. In der Pariser Klimaübereinkunft war 2015 lediglich vereinbart worden, »deutlich unter zwei Grad« zu bleiben. Die niedrigere Zielmarke würde unter anderem für viele Länder das Risiko schwerer Dürren und verheerender Niederschläge mindern. Auch würde der Meeresspiegel voraussichtlich bis zum Ende des Jahrhunderts um zehn Zentimeter weniger ansteigen. Zehn Millionen Menschen könnten so vor Sturmfluten und dem Verlust ihrer Dörfer und Städte bewahrt werden. »Die EU wird daran arbeiten, diese Herausforderung anzugehen, und erwartet, dass andere dies ebenfalls tun«, erklärten die Kommissare Miguel Arias Cañete und Carlos Moedas am Montag laut dpa in Brüssel. »Alle Beteiligten müssen die Bemühungen gegenüber den Zusagen im Pariser Abkommen erhöhen.«

Da in den letzten fast 30 Jahren, seitdem die internationale Gemeinschaft über Klimaschutz verhandelt, viel zuwenig geschehen ist, muss es jetzt sehr schnell gehen: Die weltweiten Treibhausgasemissionen müssen bis 2030 fast halbiert und bis 2050 auf Null reduziert sein. Deutschland müsste dafür unter anderem ohne jede Verzögerung mit dem Ausstieg aus der Kohle beginnen, den Abbau der Braunkohle im nächsten Jahrzehnt einstellen, sofort die Bremsen vom Ausbau der erneuerbaren Energieträger nehmen, den öffentlichen Verkehrssektor massiv ausbauen und den verbleibenden Straßenverkehr elektrifizieren.

Fehlt da nicht eine entscheidende Position in der Aufgabenliste für Deutschland (und alle anderen auch)? Recyceln statt Verbrennen – und endlich aufhören, dem Verbrennen auch noch CO2-Einsparungen anzudichten!

Die taz hat am 8.10. gleich zwei Artikel zum Klimaproblem veröffentlicht und am Folgetag noch einmal zwei.

Unter der Überschrift „Tempo, Tempo, Tempo!“ ist u.a. zu lesen:

Man muss keine Dissertation in Physik geschrieben haben, um die Botschaft des Weltklimarats zu verstehen: Wenn die Erderwärmung und damit unkalkulierbare Risiken für Gesundheit, Wirtschaft, Ernährung und Sicherheit von Millionen von Menschen einigermaßen begrenzt werden sollen, muss es jetzt schnell gehen...

Was die Forscher in trockener Sprache auf Hunderten Seiten aufgeschrieben haben, ist im Grunde einfach: Wenn wir weiter in diesem Ausmaß CO2 in die Atmosphäre pumpen, geht das schief.

Die Elite der globalen Wissenschaft schreibt aber auch: Es ist machbar... Wir müssen nur wollen...

… Aber auch hier ist die Botschaft klar: Das Tempo, mit dem das geschehen muss, ist atemberaubend. Noch nie hat die Menschheit so schnell von einer Technik Abschied genommen und eine neue installiert wie es mit den fossilen Rohstoffen nötig ist, um 1,5 oder 2 Grad Erderwärmung noch zu halten….

Vor der Dringlichkeit, die aus jeder Zeile des IPCC-Berichts quillt, verschließt Berlin die Augen. Die Forscher werben für die Rolle eines Klimaschutz-Vorreiters, auch mit wirtschaftlichen Argumenten. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt, wir haben die Technik, die Wirtschaftskraft und die politische Stabilität. Aber diese Bundesregierung will sich nicht bewegen, schon gar nicht schnell. Da hilft auch keine Bundeskanzlerin mit einem Doktortitel in Physik.

Hier stehen einfach mal nur Links, zum Sich-klug-machen:

180926 http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Politik/Heiss-heisser-Ostseekueste-Turbo-Klimawandel-in-MV

180911 http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Klimareport-MV-heizt-sich-auf

180911 http://www.ostsee-zeitung.de/Mehr/Wetter/Das-sind-die-wichtigsten-Erkenntnisse-aus-dem-Klimareport-MV

180919  https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-lobby-klimaziele-1.4134469

181008http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/CO-Ausstoss-halbieren-So-will-Rostock-das-Klima-retten

181008http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/So-schlimm-wird-der-Klimawandel-fuer-Norddeutschland

181008http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Meeresspiegel-steigt-Klimawandel-bedroht-Ostseekueste

181008http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Diesel-Deal-ist-fauler-Kompromiss

181008http://www.taz.de/Nach-dem-Bericht-des-Weltklimarats/!5542059/

181009http://www.taz.de/Enwicklungsexperte-ueber-Klimabericht/!5538363/ Politische Entscheider dürfen nicht länger sehenden Auges in die Klima­katastrophe steuern.

181010http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Klimawandel-in-MV-Diese-Orte-waeren-bei-Anstieg-des-Meeresspiegels-ueberflutet

181017http://www.taz.de/100-Prozent-Oekostrom/!5540680/ Kohleaustieg bis 2035!
Zum Ausbau des Ökostrom gebe es keine Alternative, denn ohne Klimaschutz gebe es keinen Artenschutz. Eigentlich müsse sich die Bundesregierung diese Gedanken machen – „aber da fehlt die Ernsthaftigkeit beim Ausbau der Erneuerbaren.“

181018Deutschland erreicht Ziele der Energiewende nicht. Kritik des Bundesrechnungshofes. http://www.umweltruf.de/2018_PROGRAMM/news/news3.php3?nummer=7125 Wenn nun sogar der Bundesrechnungshof  sich dem inhaltlichen Thema des Klimaschutzes annimmt, muss das als alarmierendes Zeichen gewertet werden!

181020 http://www.taz.de/Forstforscher-zum-Waldschadenbericht/!5544381/ Der Vorsitzende des Bunds deutscher Forstleute stellt im Interview fest:

  • Das Jahr 2018 war das trockenste seit der Wetteraufzeichnung, und darunter leidet der Wald in ganz Deutschland.
  • Wir haben es mit einer langfristigen Entwicklung zu tun, die mit dem Klimawandel zusammenhängt. Und durch den Personalmangel im Forstbereich können wir bei weitem nicht genug dagegen tun. Wir arbeiten an der Belastungsgrenze, es fehlen 10.000 Forstleute.
  • Wir haben beispielsweise nicht genug Personal, um Klima stabilisierende Mischwälder aufzuforsten. Selbst aktuelle Schäden zu beheben, schaffen wir nicht – und es werden sogar weiter Stellen abgebaut. Wie sollen wir uns da um die wichtigen Funktionen des Waldes als Gemeinwohl und Daseinsvorsorge kümmern?
  • Der Wald ist … in vielerlei Hinsicht wichtig: als Wasserspeicher, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Sauerstoffproduzent, CO2-Speicher und Ort der Erholung. Wir kommen da jetzt an eine Grenze und können das gar nicht mehr garantieren.
  • es wird überall gespart.
  • Beispielsweise zugunsten von noch mehr Übungsflügen der Bundeswehr, für noch mehr NATO-Übungen an Russlands Grenzen usw. usf. Nein, das sagte der Interviewte natürlich nicht, das ist originaler No-burn-Text!

181020 http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Wirtschaft/Merkel-will-Diesel-Fahrverbote-per-Gesetz-erschweren Was für ein plumpes, dümmliches Wahlkampfmanöver! Wer nimmt denn so etwas noch ernst, Frau „Klimakanzlerin“?

181023   https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-10/klimawandel-heisszeit-klima-globale-erwaermung-weltklimarat-ipcc-bericht/komplettansicht  Eine sehr guter Übersicht aller Argumente, die dafür sprechen, den bedrohlichen Klimawandel ernst zu nehmen. Der umfangreiche Text ist mit vielen Angaben zu wissenschaftlichen Originalquellen versehen.

 

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Menetekel

Was ist das biblische Menetekel gegenüber dem gegenwärtigen! Die langandauernde Hitze mit all ihren Folgeschäden (Trockenheit, Ernteausfälle, Waldbrände) in vielen Ländern der Erde ist ein nicht zu übersehendes Menetekel, gegenüber dem das biblische sehr klein und unbedeutend wirkt. Damals ging es um den Zerfall eines Staates, heute geht es um das Überleben der Menschheit.

Wenig findet sich in den Medien. Allein die taz berichtet (aber auch der SWR):

„Wir wissen derzeit nicht, ob das Klimasystem sicher bei etwa 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau ‚geparkt‘ werden kann“ … Langfristig könnte sich dann die Erde sogar um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um zehn bis 60 Meter ansteigen

Die Folgen sind nicht abzuschätzen:

Flut-Tote, Dürren, untergegangene Inseln, Hunger- und Klimaflüchtlinge, Krieg um Wasserressourcen und sichere Siedlungsplätze.

Wieviel Zeit bleibt noch? Keine. Denn:

Um sicherzugehen, sollte der Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt werden,..  Allerdings: Bereits jetzt ist die Erde im Durchschnitt um 1,1 Grad wärmer als vor Beginn der Industrialisierung.

Ist die Erderwärmung ein Gerechtigkeitsthema?

Die taz glaubt es:

Dass die Hitze gerade in diesem Sommer derart auf den Plan tritt, auf unsere schlechten Pläne, hat etwas Alttestamentarisches. Als reckte sich eine rächende Faust aus der Sonne, weil wir nicht dafür gesorgt haben, dass sich die Wasser des Meeres für Bedürftige teilten, und weil wir Seebrücken nur aus luftigen Metaphern bauen.

Schlichter und glaubensfern formuliert: Dieser Sommer hält eine Botschaft bereit, nicht nur in Gestalt eines ökologischen Alarmsignals, sondern als eine Hilfe zur Selbsterkenntnis. Zur Erkenntnis, was wir sind und haben, und wie wir sein müssten, um es zu bewahren.

Die Erderwärmung ist ein Gerechtigkeitsthema, denn es handelt sich hier wohl vor allem um weiße Täterschaft – der Klimawandel hat eine unverkennbar postkoloniale Note…

Wir haben schon lange die Grenze dessen überschritten, was uns zusteht…

„In der Hitzewelle steckt eine Chance“

Schreibt die taz. Und weiter:

Dieser Sommer ist das Beste, was uns passieren konnte. Die wochenlange Hitze, die die Felder verdorren lässt und sogar das deutsche Beamtentum dazu bringt, Hitzefrei einzufordern, ist genau das, was uns spüren lässt, was „Erderwärmung“ bedeutet. Und verdeutlicht: Hier muss was passieren.

So weit, so gut. Aber die Schlussfolgerungen sind zu simpel: Mehr ÖPNV statt Auto, weniger kaufen, mehr leihen, … Auf die Straße gehen, Lärm machen, so was.

Uns scheint, da fehlen entscheidende Punkte. Wie wäre es z.B. mit mehr Recycling und nur noch ganz wenig Müllverbrennung?

Ob das die Erde rettet? Weiß niemand. Aber spätestens ab diesem Sommer ist klar: Wir müssen es versuchen! Und zwar jetzt.

Weiter an anderer Stelle:

Wo ist der Aufschrei darüber, dass der ewige ­Klimastreber Deutschland sein selbst gestecktes Klimaziel um 8 bis 10 Prozentpunkte reißt? Darüber, dass wir seit der Jahrtausendwende bereits zig globale Jahrhundertsommer hatten? Und, fun fact am Rande: Dieser hier hat bislang noch längst nicht alle Temperaturrekorde gerissen.

Bislang gibt es so einen Aufschrei nur als Satire:

Kann die SPD Umweltpolitik? „In der Theorie schon“, sagt mein Sohn, der gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr abschließt und deshalb auf keiner Anti-Kohle-Demo fehlt. „Sie sollte nur vielleicht mal zeigen, dass sie Umweltpolitik auch machen wollen kann.“

Ich glaube, dass die Ökosozis unterschätzt werden. Svenja Schulze, die immer fröhliche Münsterländerin, hat ganz sicher einen Plan. Ach was, einen Masterplan für echten Klimaschutz: Mit 63 Punkten, von denen wir aber nur einen kennen: Zurückweisung aller illegaler Emissionen an der Schornsteingrenze. Ab sofort.

Kein Molekül ist illegal? Falsch. Unser CO2-Ausstoß ist ein Verstoß gegen geltendes Recht. Unsere EU-Klima- und Effizienzziele sind juristisch bindend, das Paris-Abkommen verbindliches Völkerrecht. Und während die Obergrenze für Flüchtlinge eingehalten wird, die die quartalsirre CSU irgendwie durchgesetzt hat, kümmert die rechtlich verbindliche Obergrenze für Emissionen niemanden…

Das heißt, bis dato. Denn jetzt setzt sich die Vernunft durch. Beim massenhaften illegalen Grenzübertritt von Millionen Tonnen CO2 geht es um ein reales Problem. Es bedroht Deutschland, nebenher noch den Rest der Welt, und es treibt Menschen in die Flucht. Auch zu uns.

In dieser Notlage wird Svenja Schulze handeln. Sie wird sagen: „Okay, das steht zwar nicht explizit im Koalitionsvertrag. Aber eigentlich schon. Denn wir wollen dem Klimaziel 2020 nah kommen und die Marke für 2030 auf jeden Fall erreichen. Das heißt: Wenn Europa sein Klimaziel nicht auf 60 Prozent verschärft, müssen wir uns selbst wehren…

Selbstverständlich wird die SPD, der die sozial-ökologische Wende immer das wichtigste Anliegen war, die Umweltministerin unterstützen. Wenn der EU-Gipfel am Wochenende keine Lösung bringt, wird Schulze die sofortige Schließung von 50 Kohlekraftwerken anordnen. Die Bundesumweltministerin „trägt dafür Verantwortung, an unseren (Emissionsober)Grenzen für Recht, Sicherheit und Ordnung zu sorgen“, sagt auch Dobrindt.

Was sind schon 50 Kohlekraftwerke gegen 121 Müllverbrennungsanlagen (UBA, Stand April 2016)? Wobei recyceln zusätzlichen Klimaschutz ermöglichen würde, weil zur Primärproduktion eines Stoffes deutlich mehr Energie verbraucht wird als beim Recyceln desselben Stoffes. Also, liebe Frau Umweltministerin, zuerst die MVA’s abschalten! Schnell, ganz schnell und nicht erst 2030! Und noch schneller konsequentes Recycling fördern und fordern!

 

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Aufgewacht?

Seit Jahrzehnten lesen und hören wir auf allen Kanälen, Deutschland sei „Recycling-Weltmeister“. Wenn man nachgräbt, findet man wenig Details, mal abgesehen von Glas, Papier, Metallen, ggf. auch Bauschutt. Plastik, Elektro- und Elektronikschrott und viele andere Materialien werden offenbar kaum recycelt.

Zum Thema Plastik gibt es jetzt seitens der EU ein klares Eingeständnis:

Europaweit fallen nach Angaben der EU-Kommission jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Nur knapp 30 Prozent davon werden zur Wiederverwertung gesammelt, die übrigen 70 Prozent landen auf Müllkippen, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt, vor allem in den Meeren. Das Thema hat seit Jahresbeginn besondere Brisanz, weil China Abfallimporte gestoppt hat. Allein Deutschland führte bisher dorthin rund 560.000 Tonnen Plastikabfälle pro Jahr aus, die nun anderweitig recycelt oder verbrannt werden müssen.

Die EU hat also eine „Plastikstrategie“ auf den Weg gebracht (ebenda):

Ein Ziel der Plastikstrategie sei es, Recycling auch in Europa profitabel zu machen…

Es gebe keine einheitlichen Standards für recyceltes Plastik und deshalb Zweifel an der Qualität. Und das Ausgangsmaterial sei zu unterschiedlich, weil zum Beispiel in Verpackungen Farbstoffe oder Chemikalien zugefügt werden.

Die Kommission plant neue Vorgaben an die Industrie, um Plastik leichter wiederverwertbar zu machen. Bis 2020 verspricht sie 100 Millionen Euro an Fördermitteln zur Erforschung verbesserter Materialien. Darüber hinaus will sie europaweit eine sortenreinere Sammlung voranbringen. Damit könnte das Recycling um bis zu 100 Euro pro Tonne billiger werden,

Aber wer auf konkrete Maßnahmen hofft, wird ziemlich enttäuscht (ebenda):

  • Vermeidung von Einmalgegenständen aus Plastik
  • Keine Beimengung von Mikroplastikpartikel in Kosmetika und Waschmitteln mehr
  • Abfallannahmestellen in Häfen
  • Plastiksteuer.

DAS kann es doch wohl nicht gewesen sein?!

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